Traumstrände, Bauboom und eine spektakuläre Küstenstraße
Türkisblaues Meer, einsame Buchten und ein bisschen Karibik-Feeling in Europa – das ist das Bild, das ich von der albanischen Riviera im Kopf hatte. Nachdem wir nun fast die ganze Küste bis nach Griechenland entlanggefahren sind, nehme ich noch andere Bilder mit: Die Küstenstraße zwischen Dhërmi und Sarandë hat uns schlichtweg umgehauen. Dass Meer und Berge hier so nah und eindrucksvoll beieinanderliegen, hatte ich bisher nicht vor Augen. Genauso wenig wie den massiven Bauboom, den die Gegend gerade erlebt.
Zwischen türkisblauem Wasser und Baustellen
Die Zeiten, in denen die albanische Riviera als echter Geheimtipp gegolten hat, sind ganz offensichtlich vorbei. An gefühlt jeder Ecke entstehen Boutiquehotels oder Luxusresidenzen. Besonders deutlich wird das, sobald man den Llogara-Tunnel südlich von Vlorë hinter sich gelassen hat. Der erste Blick aufs Meer ist hier gleichzeitig ein Blick auf eine riesige Baustelle an der Küste. Auch der Tunnel selbst ist zum Teil dem wachsenden Tourismus geschuldet. Seit zwei Jahren erspart er Autofahrerinnen und Autofahrern die kurvenreiche Fahrt über den Llogara-Pass und verkürzt die Strecke zeitlich um rund eine halbe Stunde.

Wer die albanische Riviera besucht, hat die Qual der Wahl: Tatsächlich erscheint hier ein Strand schöner als der andere und das Meer da wie dort kristallklar. Nach einer Übernachtung in der Nähe von Vlorë – übrigens mit Blick direkt auf die Insel, wo Jared Kushner sein Luxusresort bauen möchte – haben wir uns für den Livadhi Beach bei Himarë entschieden. In der Hochsaison dürfte hier einiges los sein: Ein Campingplatz reiht sich an den nächsten – wir waren bei Kranea Camping und damit sehr zufrieden –, dazu kommen zahlreiche Restaurants und Bars. Alles nur wenige Meter vom Strand entfernt.
Türkisblaues Wasser und ein bisschen Endzeitstimmung
Mitte Oktober haben allerdings nur noch die wenigsten geöffnet. Neben türkisblauem Wasser erwartet uns damit auch ein bisschen Endzeitstimmung, denn vielerorts wurde mit Saisonschluss einfach alles so liegen gelassen, wie es war. Kaputte Schirme, zerbrochene Liegen und jede Menge Müll gehören wohl oder übel zum Landschaftsbild. Hier hinkt die albanische Riviera der echten definitiv hinterher.
Deutlich angezogen haben dafür die Preise. Egal ob Campingplatz oder Abendessen: Auch wenn wir vieles nach wie vor günstig finden, müssen wir hier tiefer in die Tasche greifen als noch vor wenigen Tagen im Norden Albaniens.
Unsere Kinder stört es jedenfalls nicht, dass kaum mehr etwas los ist. Weil kaum mehr Autos unterwegs sind, kann Nico mit seinem Laufrad hin und her brausen. Das Wasser ist nach wie vor warm genug, um einen kurzen Sprung hineinzuwagen. Und die Sonnenuntergänge hier sind einfach atemberaubend.
Wunderschöne Aussichten, auch ohne Wanderung
Die albanische Riviera lässt sich übrigens auch zu Fuß entdecken. Wanderwege verbinden die Dörfer an den Berghängen und führen zu abgelegenen Buchten. Mit Baby und Dreijährigem können wir diese Seite der Region allerdings nicht entdecken. Unsere einzige versuchte Wanderung – vom Livadhi Beach zur bekannten Aquarium-Bucht – brechen wir schon nach wenigen Hundert Metern wieder ab. Der schmale Pfad stürzt hier ohne Sicherung direkt ins Meer ab – das war uns mit einem 3-Jährigen definitiv zu riskant.
Spektakuläre Ausblicke bekommen wir trotzdem zur Genüge. An unserem letzten Tag in Albanien zeigt sich das Land noch einmal von seiner schönsten Seite. Während der Fahrt von Himarë Richtung Griechenland kommen wir aus dem Staunen kaum heraus. Die kurvenreiche Strecke zwischen Bergen und Meer ist für mich eine der schönsten Küstenstraßen, die ich je gefahren bin.
Und wer einen besonders spektakulären Aussichtspunkt sucht, dem können wir die Burg Lëkurësi oberhalb von Sarandë empfehlen. Hier haben wir eine letzte Mittagspause gemacht, bevor es für uns endgültig nach Griechenland gegangen ist – mit einem atemberaubenden Blick über die Stadt und die Bucht bis hinüber nach Korfu.
Hier waren wir:
Livadhi Beach (Google Maps)
Burg Lëkurësi (Google Maps)







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